Die Show – Allgemeines

Machen wir uns nichts vor: weder Tutti Frutti noch Colpo Grosso (die originale italienische Show, ausgestrahlt von ITALIA 7) werden je irgendwelche Auszeichnungen einheimsen, sei es aus kulturellen oder intelektuellen Gründen.
Und? Das wir auch nie die Absicht mit der diese Shows auf die Menschheit losgelassen wurden. Das einzige Ziel war es zu unterhalten – und natürlich eine möglichst große Zahl von nackten Mädels zu zeigen. Sex sells, damals wie heute.
Es wurde nie erwartet, dass jemand diese Show wirklich ernst nimmt.
Heutzutage sieht man schon im Vormittagsprogramm (nicht nur) der privaten TV-Sender mehr nackte Brüste als Tutti Frutti sie damals zeigte.
Die „Erotik“ von Tutti Frutti und Colpo Grosso war aber für die damalige Zeit wirklich „revolutionär“. Sie wurde von der Öffentichkeit auch weithin als „skandalös“ bezeichnet – eigentlich hat nie jemand bewusst diese Sendung eingeschaltet, nein, die meisten der zwei Millionen treuen Zuschauer „zappten“ immer rein zufällig rein. Dafür (!) wurde wohl das Zapping erfunden… 🙂

Colpo Grosso startete 1988 als eine „Casino-hafte“ Stripshow, als Spielleiter Umberto Smaila (ein in Italien bekannter und beliebter Moderator, siehe http://www.umbertosmaila.it/ ) und wurde ausgestrahlt von „Italia 7“.
Die erste Staffel konzentrierte sich fast ausschließlich auf den Casino-Aspekt und soweit man das als Nicht-Italiener sagen kann (will heißen der Übersetzer von Google!) war sie wohl nicht so der Riesenerfolg, weshalb bereits nach der Hälfte der Folgen von der Produktionsfirma (A.S.A. Television, Mailand) ein paar Dinge geändert wurden:
Es gab fortan eine Gruppe tanzender Stripperinnen namens „La Portafortuna“ (sinngemäß „Maskottchen“) welche als Konsequenz dann in „La ragazze Cin Cin“ umbenannt wurde. In Tutti Frutti hieß die Gruppe „Das Cin Cin-Ballett“ – was den Schönheiten wohl auch eher gerecht wurde, denn „La ragazze Cin Cin“ heißt übersetzt einfach „die Cin Cin-Mädchen“. 😉

Alles in allem wurde die italienische Version namens Colpo Grosso von 1988 bis 1992 produziert, was unter dem Strich vier oder fünf Staffeln ausmachte – und eine unzählbare Menge von Folgen.

RTLplus (heute nur noch RTL, manch einer mag da lieber ein Minus vergeben) kaufte das ganze Konzept von A.S.A. und begann 1989 die deutsche Version mit Namen „Tutti Frutti“ zu produzieren. Hugo-Egon Balder war der Moderator.
Zu dieser Zeit war RTLplus wirklich einer der wichtigsten Motoren für das deutsche Privatfernsehen und dessen Entwicklung. Bekannt für neue und innovative TV-Konzepte (wie „Dall As TV“, die „Gong Show“ und „Alles nichts, oder!?“ (mit Hugo-Egon Balder und seiner langjährigen Partnerin Hella von Sinnen), hatte RTLplus keine Probleme,gut geschützte Tabus im deutschen Fernsehen hemmungslos zu brechen.
Am 24.01.1990 wurde die erste Folge von Tutti Frutti ausgestrahlt.
Die Show stigmatisierte natürlich von Anfang an. Konservative Politiker und die Kirche hatten nichts Eiligeres zu tun als die sofortige Einstellung zu verlangen; Feministen liefen Amok und die Fernsehzeitschriften schrieben ausschließlich niederschmetternde Berichte. Natürlich steckte in diesen auch ein Fünkchen Wahrheit – die Show war schließlich weder von der technischen noch von der kulturellen Seite her sehr anspruchsvoll. Überflüssig zu erwähnen, dass Hugo-Egon Balder zur damaligen Zeit so ziemlich das schlechteste Image hatte was man sich vorstellen konnte. Aber weder RTLplus noch Balder (Infos zu seinem Gehalt hibt Hugo in seinem Buch, siehe „Ich habe mich gewarnt“) juckte das groß: die Show war günstig zu produzieren (ca. 40.000 EUR pro Folge), daher sehr effizient und der Push für die Publicity in Deutschland war sowieso unbezahlbar. RTLplus verdiente wirklich Geld mit Tutti Frutti. Die Zuschauerzahlen lagen bei vier Millionen bei der ersten Folge und pendelten sich fortan bei durchschnittlich sehr beachtlichen zwei Millionen ein. Man bedenke hier, dass Kabel- oder Satellitenfernsehen damals alles andere als Standard war!

Tutti Frutti wurde am Ende der dritten Staffel eingestellt. Das Konzept der Show war mittlerweile abgegriffen und die Zuschauer waren zu dieser Zeit bereits an nackte Frauen im Fernsehen gewöhnt.

Eine Staffel-Chart mit den Studiodesigns und Produktionsjahren der einzelnen Staffeln findet man hier.

Während Colpo Grosso pro Jahr neun Monate am Stück produziert und dann täglich ausgestrahlt wurde, mietete RTLplus einfach das komplette Studio für vier Wochen, adaptierte jede Kleinigkeit (inklusive der gesamten Besetzung) und produzierte in diesen vier Wochen dann eine Folge nach der anderen. Dieses außergewöhnlich hohe Produktionstempo kann man in vielen Folgen gut beobachten: es passierten viele Missgeschicke, die eben auch mit gefilmt wurden – aber auch diese machten einen Großteil von Tutti Fruttis Charme aus.

Tutti Fruttis einfaches Konzept war eine 1:1-Kopie von Colpo Grosso, jedoch entschied RTLplus, die Sendezeit von 30 auf fast 50 Minuten beinahe zu verdoppeln. Das ergab somit einige Spielrunden die Colpo Grosso selten bis nie hatte, wie z.B. die „17 und 4“-Variante „15 und Sex“, in welchen die Mädels vom Cin Cin-Ballett die Karten umdrehten.
Andererseits wurde von RTLplus auch einiges komplett gestrichen, z.B. wurde die „Superstar Performance“ der dritten Colpo Grosso-Staffel gänzlich ignoriert.
Neben der längeren Laufzeit der Show konnte man aber sehr gut auch feststellen, dass sich die Deutschen bei einigen Dingen wirklich Gedanken zur Verbesserung gemacht hatten. Bestes Beispiel für mich der Song „Bamboleo“ – während in Colpo Grosso die Cin Cins unten bei der Band zum Song einfach nur herumhüpften, boten sie in Tutti Frutti echten spanischen Flamenco-Tanz, zumindest soweit das ihre starre Position auf ihrem Podest oben das zuließ.

Die Show wurde weltweit ausgestrahlt – sogar in Japan. Auch gab es Plagiate in Europa, wie z.B. das spaniche „Ay que calor!“, welches von der damaligen „Miss Spanien 1988“ Eva Pedrazza und Jesus Cantero präsentiert wurde.
Weiter gab es da noch „Cocktail“ – das selbe Konzept, aber in Brasilien selbst umgesetzt. Ein Video davon findet sich in der „Media“-Rubrik.
Das schwedische „Tutti Frutti“ moderierte Opernsänger Bruno Wintzell (dieser starb 2002 an Krebs) und Army of Lovers-Mitglied Dominika Peczynski.
Weiterhin gab es ein paar Spin-offs, wie „Vizi Privati“, „Colpor di Scena“, „Un Weekend da Favola“, „Notte Italiana“ and „Belleze al bagno“.
Später kaufte der deutsche Digitalsender DF1 die Show und sendete sie nochmal Mitte der 90er Jahre. Es gab sogar eine „Tutti Frutti-Wiedereröffnungs-Feier“, auf welcher Stella Kobs, Elke Jeinsen und Monique Sluyter wieder auftauchten.

Nicht nur ich wünsche mir eine erneute Ausstrahlung von Tutti Frutti, es gibt zig Fans im Netz, die das schon geäußert haben – und wer weiß, wie viele es noch gibt, die wieder einschalten würden – „rein zufällig“ versteht sich. 😉

RTL versucht heutzutage natürlich alles, sein „Sender für die ganze Familie“-Image hoch zu halten, somit wird man nicht auf eine Wiederholung dort zählen können (das Einzige, was bei RTL überhaupt noch an Tutti Frutti erinnert, ist dieses kurze Video auf der Homepage). RTL II scheint da eine adäquatere Wahl. Auch RTL Nitro wäre für die Serie durchaus denkbar, nennt es sich doch selbst so schön „Fernsehen für Helden“.

Außerdem ist wohl der Copyright-Status der Show heutzutage ziemlich unklar: Tutti Frutti wurde an DF1 verkauft – also an die Kirch-Gruppe, die ja einige Jahre später teilbankrott ging. Somit stauben die Filmrollen in irgendwelchen unbekannten Archiven vor sich hin, zumindest für den deutschen Markt.
Man sagte mir, dass RTL in Tutti Frutti-Trailern vor ein paar Jahren „Eigentum von DF1“ einblendete. Andererseits veröffentlichten sie selbst eine ziemlich große Anzahl von Internet-basierten Streams, also scheinen sie zumindest noch Archive der Show selbst zu besitzen. Wie auch immer, mit einer erneuten Ausstrahlung in Deutschland ist wohl kaum zu rechnen.
Ein Riesendank an rK, der Ursprungstext in Englisch wurde von mir übersetzt und ergänzt.

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